Samstag, 19. Juli 2014

Das goldene Arschloch am Band

Ich will wirklich keine negative Stimmung verbreiten. Ich möchte auch nicht den Eindruck vermitteln, ich hätte bisher in diesem Jahr nur grauenhafte Bücher gelesen. Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe ein paar ganz wundervolle Bücher gelesen. Aber eben auch einige, deren Protagonisten (ich sage bewußt nicht "Helden") so dumm, widerwärtig oder einfach nur unsympathisch sind, daß ich ihnen hiermit feierlich einen Orden verleihe: Das Goldene Arschloch am Band.

Platz 3: Shane Griffin aus Turn Up the Heat von Kimberly Kincaid. Eigentlich ein ganz netter Typ. Er arbeitet als Kfz-Mechaniker in einer Kleinstadt im Norden der USA, die hauptsächlich von Wintersport-Touristen lebt. Seine Partnerin Bellamy Blake lernt er kennen, als sie für ein verlängertes Wochende in den Ort kommt und eine Autopanne hat. Außer, daß er alle möglichen abfälligen Bemerkungen über verwöhnte Frauen aus der Großstadt macht, ist er nicht so übel. Er ist allerdings fest davon überzeugt, daß seine und Bellamys Beziehung zwangsläufig enden muß, wenn sie nach Hause fährt. Nicht wegen der Entfernung; offenbar trennt Shanes Kleinstadt und Bellamys Heimatstadt Philadelphia nur eine Autofahrt von ca. 2 Stunden. Nein, der gute Shane besteht darauf, nienienienie wieder auch nur in die Nähe von Philadelphia zu kommen. Und zwar nur deswegen, weil sein Vater da lebt und er Zoff mit ihm hat. Und so einen Vollidioten soll ich als romantischen Helden bewundern??

Platz 2: Hier haben wir eine weibliche Preisträgerin. Sie heißt Jane Morgan und ist die Protagonistin aus Lead Me On von Victoria Dahl. Jane hat, das muß man ihr zugestehen, eine schlimme Kindheit gehabt. Sie wurde nämlich von ihrer Mutter Dynasty Alexis genannt (hihi, dreimal dürfen wir raten, welche 80er Jahre-Fernsehserie Janes Mama besonders mochte), und hat sich dann selbst später umbenannt. Jane möchte unbedingt respektabel sein, das bedeutet für sie: nur mit Leuten zu tun haben, die studiert haben, Anzüge oder Kostüme tragen und als Anwalt, Arzt oder Architekt arbeiten. Sie verleugnet grundsätzlich alles, was mit ihrer Familie oder ihrer Kindheit zu tun hat. William Chase, der Held des Buches, ist dagegen ein richtiger Goldschatz und hat einen supercoolen Job. Er ist nämlich ein Sprengstoffexperte - also er sprengt beispielsweise für Bauprojekte Felswände in die Luft. Jane will erst nichts mit ihm zu tun haben, weil sie denkt, daß er ein Arbeiter ist. Dann erfährt sie, daß er selbstständig ist und ein paar Angestellte hat. Nun will sie mit ihm nichts zu tun haben, weil er nicht studiert hat. Es stellt sich heraus, daß er das eben doch hat. Zuletzt will sie mit ihm nicht gesehen werden, weil er keine Anzüge, sondern Jeans und Flanellhemden trägt...tja, es hätte das Buch viel kürzer gemacht, aber ich hätte mir wirklich gewünscht, daß Jane von einem LKW überfahren oder von einem umherfliegenden Felsbrocken getroffen und unangespitzt in den Boden gerammt wird.

Platz 1: Reed Lawson, der männliche Protagonist (und wirklich definitiv kein Held) aus Baiting the Maid of Honor von Tessa Bailey. Reed ist eigentlich so etwas wie ein extrem übellauniger Vibrator auf zwei Beinen. Heldin ist verärgert? Komm, wir haben Sex. Heldin ist traurig? Komm, wir haben Sex. Heldin ist noch viel trauriger? Okay, dann wird sie beim Sex auch noch an den Haaren gezogen und geschlagen. Das Buch hätte ich natürlich nicht gekauft, wenn ich das vorher gewußt hätte. Ich finde sowas total widerlich. Aber gut, Julie Piper, die weibliche Protagonistin, fährt drauf ab. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Die Krönung des Buches kommt aber im Epilog, als die beiden schon ein Paar sind. Da wartet Reed, bis Julie auf der Arbeit ist, und bringt alle ihre Sachen aus ihrer Wohnung in seine Wohnung. Weil er findet, daß sie zusammenleben sollten. Es kommt aber noch besser. Nachdem Julie mitgekriegt hat, daß sie jetzt bei Reed wohnt, läßt er sie auch noch wissen, daß er sie heiraten wird. Ihren Vater hat er nämlich schon gefragt, und der war einverstanden. Echt, mir rollen sich die Zehennägel auf. Wenn dieser Typ ein lebendiger Mensch wäre, würde ich ihm wünschen, langsam und qualvoll an Syphilis zu sterben.

Endlich Sommer!!

Ich weiß, heute abend und morgen soll es schon wieder Gewitter geben...aber gestern und gerade jetzt gibt es endlich mal das perfekte Sommerwetter: heiß und sonnig, genau wie ich es mag. Da fehlt, wenn überhaupt, nur noch eins:


Sonntag, 6. Juli 2014

Komprimierter Irrsinn

Leseproben sind eine feine Sache. Normalerweise. Aber dann gibt es auch welche, bei denen sich meine Augenbrauen so sehr nach oben bewegen, daß sie an meinem Hinterkopf landen würden, wenn meine Haare nicht im Weg wären,

Und damit sind wir beim Thema Cherry Adair. Wenn man gerade Bock auf ein Buch mit völlig absurder Handlung und dämlichen Protagonisten hat, die in wirklich jeder Lebenslage nur an Sex denken, dann ist man bei Cherry Adair goldrichtig. Ich mag solche Bücher ja hin und wieder mal. Und so kam es, daß ich mir eine Leseprobe zu ihrem Buch Ice Cold heruntergeladen habe. Allerdings hätte ich mit Sicherheit einen riesengroßen Bogen um diese Leseprobe gemacht, wenn ich vorher gewußt hätte, daß ein Teil der Handlung in Deutschland spielt. Wenn amerikanische Autoren ihre Bücher in Deutschland spielen lassen, dann geht das meistens auf vielfältige Weise schief. Bei einer Autorin, die sowieso schon für den Irrsinn ihrer Bücher bekannt ist, kann man das Ergebnis je nach Laune als "krasser Scheiß" oder "OMG dieses Buch hat der Teufel in die Welt gebracht" bewerten.

Aber seht selbst. Die Leseprobe fängt damit an, daß unsere Heldin Honey Winston, die als Computerexpertin für eine dieser allgegenwärtigen streng geheimen Geheimorganisationen arbeitet, gegen den Helden Rafael Navarro kämpft. Rafael arbeitet ebenfalls für die streng geheime Geheimorgansation und wird auch als "der spanische Hengst" bezeichnet. Gnnnnnnnhihi. Peinlichster Spitzname ever, oder? Wenig später stellen die beiden fest, daß sie Kollegen sind, und daß Honeys Chef gerade ermordet wurde (mit 37 Messerstichen; Honey hat nachgezählt). Dann macht Rafael das Licht an, und Honey sieht, daß er lange, glatte, glänzende schwarze Haare hat. Das ist blöd, denn vor meinem geistigen Auge sieht er jetzt wie Jorge Gonzalez aus...


...was, neben dem bescheuerten Spitznamen, seinem Status als romantischer Held ein wenig abträglich ist.

Dann verlangt Honey, daß Rafael sie küßt, weil sie von ihrer Mentorin in der streng geheimen Geheimorganisation gehört hat, daß diese einmal einen Orgasmus hatte, als sie von Rafael geküßt wurde. (Ich glaube, diesen Typen müßte man mal gründlich mit Sagrotan einsprühen, bevor man ihm auch nur die Hand schüttelt). Rafael küßt Honey.

Wer jetzt glaubt, unsere beiden Helden würden mal so langsam aus dem Quark kommen und die Polizei rufen - wir erinnern uns, toter Chef mit 37 Messerstichen - ist, wie sollte es anders sein, völlig auf dem Holzweg. Stattdessen kommt die Müllabfuhr der streng geheimen Geheimorganisation und räumt alles auf. Echt jetzt. Im Originaltext steht "Garbage detail".

Nachdem das geklärt ist, nimmt Rafael Honey mit zum Flughafen, denn da ihr Chef ja nun leider wegen der 37 Messerstiche ausgefallen ist, muß Honey ihn auf eine Mission begleiten. Ursprünglich sollte diese Mission in Griechenland stattfinden. Offenbar will eine kolumbianische Terrorgruppe namens Luz Roja etwas Böses tun. Eine marxistische Terrororganisation namens Revolutionary Strength kommt ihr aber zuvor und sprengt dort eine Bank in die Luft. Da aber fast zeitgleich in Dresden ein ganzer Häuserblock einschließlich einer dort ansässigen Bank explodiert, begeben sich unsere beiden wackeren Helden lieber dorthin.

Warum eine Bank in Dresden eine streng geheime amerikanische Geheimorganisation zur Hilfe ruft, wenn dort eine Bombe explodiert...? Äh, keine Ahnung. Auf jeden Fall ist der spanische Hengst ein super-duper Bombenexperte, denn wenig später äußert er die folgenden weisen Worte:

"Bomben sind wie wütende Schneeflocken, keine zwei sind gleich".

Tja. Während sich Rafael also auf die Suche nach der Schneeflocke der Bombe macht, setzt sich Honey mit ihrem Laptop in ein Café in einer Nebenstraße von Unter den Linden. Laut Google Maps gibt es diese Straße in Dresden übrigens nicht. Vielleicht hat Frau Adair Dresden mit Berlin verwechselt? Kann ja mal vorkommen.

Rafael und Honey stellen fest, daß aus der Bank nichts gestohlen wurde. Rafael will, daß Honey nach Hause fliegt, aber sie will nicht. Beide bewundern noch kurz und verstohlen gegenseitig ihre Schönheit, und dann ist das Leid die Leseprobe auch schon zuende.

Puh. Ich weiß absurde und abgefahrene Bücher ja durchaus zu schätzen, aber das hier ist wirklich ein wenig zuviel des Guten.

(Das Bild von Jorge Gonzalez habe ich auf Wikimedia Commons gefunden).

Samstag, 7. Juni 2014

Deirdre Martin: Power Play

Eric Mitchell ist der neue Starspieler einer (vermutlich, ich hab's nicht gegoogelt) fiktiven Eishockey-Mannschaft namens New York Blades. Leider spielt er jedoch ziemlich schlecht und hat einen schweren Stand bei seinen Mannschaftskollegen.
Monica Geary hat eine Hauptrolle in einer Seifenoper namens The Wild and the Free. Sie hadert mit mehreren Problemen: mit ihrem Anspruch an sich selbst als Künstlerin, denn sie denkt ständig, daß sie eigentlich Theater spielen sollte, aber auch mit der Tatsache, daß die Serie einen neuen Produzenten hat, der ihre silikonbrüstige neue Kollegin bevorzugt.
Da liegt es nahe, daß Monica und Eric eine heiße Affäre vortäuschen, um positive Presse zu generieren. Was anfangs aus ein paar gemeinsamen Restaurantbesuchen und einer Spendengala besteht, wird zu echter Freundschaft und Liebe. Allerdings nur, bis Eric einen Riesenfehler begeht und Monica von einer Katastrophe nach der anderen heimgesucht wird...

Also eins muß ich sagen: ich hatte einen Riesenspaß mit dem Buch, obwohl weder Eric noch Monica besonders sympathisch sind. Sie sind nämlich beide ziemlich egoistisch und teilweise auch eingebildet.

Erics erste Szene mit seinen Mannschaftskollegen - und die ist schon auf Seite 5 - geht beispielsweise so:

"Yo, the savior of the Blades has arrived."
Brimming with self-confidence, Eric Mitchell scanned the locker room, waiting for his new teammates to respond to his announcement. Instead, he was greeted by scowls, glares, and the unmistakable look of resentment. What the hell was wrong with these guys?

Also, der Typ wollte seinen Kollegen offensichtlich nicht nur einen Spruch drücken, der hat das ernst gemeint! Kraß, oder? Nach der Szene mußte ich bei Eric ständig an Kevin Kline in seiner Rolle als Otto in Ein Fisch namens Wanda denken, wie er voller Begeisterung an seinem eigenen Schweiß schnuppert.

Jedenfalls hat Eric wenig später einen winzigen Gastauftritt in Monicas Seifenoper. Das fördert seine Beliebtheit bei den Blades ungemein, weil die alle große Fans der Serie sind. Natürlich erzählt er keinem, daß er sich bei den Aufnahmen total blamiert hat und sein Versuch, Monica anzumachen, auch nicht ganz so gelungen war. Was bei seinen Sprüchen aber auch kein Wunder ist:

"You and I have something in common," Eric murmured. 
"What's that?" Monica asked, trying desperately to see past him to the clock on the studio wall. Three more minutes. She only had to endure three more minutes of small talk with the jock who thought he could act. Anything was doable for three minutes.
"We're both sexy," he whispered through hooded eyes. "You were voted 'One of the Sexiest Women in Daytime', and I was voted one of People magazine's 'Top Fifty Bachelors'."

Der Typ spricht also mit seinen Augen (erstaunlich) und er labert ziemlichen Quark. Aber nicht, daß ihr jetzt denkt, daß man das ganze Buch mit einem eingebildeten Widerling und einer arroganten Tussi als Protagonisten verbringt. Monica und Eric haben beide auch ihre sympathischen Seiten. Diese treten zutage, als die beiden mehr Zeit miteinander verbringen.

Monica braucht einige Zeit und einen derben Schock, um einzusehen, daß ihre Rolle bei der Seifenoper eigentlich ein Traumjob ist. Hach. Meine Mutter und ich haben früher immer so gerne The Guiding Light geguckt (lief in Deutschland als "Die Springfield Story"). Und dann die mexikanischen Telenovelas. Die sind so herrlich überspannt und übertrieben dramatisch. Ich wünschte, davon würden einige bei uns im Fernsehen laufen, anstatt diesem gehirnzellentötenden Schwachsinn wie "Berlin bei Tag und Nacht". Na was soll's. Ich hab sowieso nicht soviel Zeit zum Fernsehen.

Erics sportliche Leistungen sind eher mittelmäßig, aber er ist fest davon überzeugt, daß ihm Monicas Anwesenheit bei seinen Spielen - oder wenigstens die eines Abbildes von ihr - Glück bringt. Da der Ärmste aber öfters das Bedürfnis hat,sich vor seinen Kollegen aufzuplustern, dauert es nur bis etwa zur Hälfte des Buches, bis Monica mit ihm Schluß macht, weil sie gehört hat, wie er etwas absolut unverzeihliches sagt.

Der Rest des Buches beschäftigt sich damit, wie die beiden ihre jeweiligen Probleme bekämpfen und nach einigem Hin und Her wieder zueinander finden. Das ist spannend und unterhaltsam, und es gibt eine Menge gut beschriebener, netter und weniger netter Nebenfiguren. Als spaßigen Zeitvertreib kann ich Power Play wirklich empfehlen, aber wer liebenswerte Hauptfiguren sucht, die er ins Herz schließen kann, der sollte sich lieber ein anderes Buch suchen.

Freitag, 30. Mai 2014

Der Trend geht zur Gesichtsmatratze

Im Happy End Bücherblog habe ich einen Artikel zum Thema männliche Gesichtsbehaarung gefunden, dem ich weitestgehend zustimme.

Also, meiner Meinung nach gibt es nur zwei Arten von Menschen, bei denen solch ein Übermaß an Bärtigkeit angemessen ist: nämlich der Weihnachtsmann...



...und natürlich Bandmitglieder von ZZ Top...

(haben die flauschige Gitarren? Die haben flauschige Gitarren! Voll süüüüüß!)


Da fällt mir eine Anekdote aus meiner Kindheit in den 70er Jahren ein. Mein Onkel Werner (Name aus Datenschutzgründen geändert) trug einen Schnurr- und Vollbart. Das fand ich als kleines Kind sehr faszinierend, denn alle anderen Männer, die ich kannte - mein Vater, meine beiden Großväter, mein Urgroßvater und mein anderer Onkel - waren stets ordentlich glattrasiert. Eines Tages brachten meine Eltern aus dem Urlaub ein kleines Dekofigürchen mit, das einen Neanderthaler darstellte. Das Figürchen war aus Holz und hatte Haare und einen Bart aus schwarzem Fell. Als ich es zum erstenmal sah, so sagte man mir später, lachte ich vergnügt und rief "Onkel Werner!!" Der Original-Onkel Werner fand das gar nicht lustig...

Wie auch immer, im Happy End Blogpost drückt die Autorin auch ihre Hoffnung aus, daß die 70er Jahre-Tapeten nicht auch wieder modern werden. Und da muß ich leider widersprechen, denn ich fahre voll auf diese grellen Muster ab. Mein Kinderzimmer hatte beispielsweise so ein ähnliches Muster...




...allerdings mehr so in orange und gelb. Und in der Diele hatten wir so etwas:




Ok, davon wird einem leicht schwindelig, aber nur, wenn man es aus größerer Entfernung betrachtet. Und man sollte sie wohl besser nicht angucken, wenn man einen im Schlappen hat.

Aber wie auch immer: ich würde mir so eine hübsche orange-gelb-braune 70er Jahre Tapete sofort an die Wand kleben. Wenn ich tapezieren könnte und nicht viel zu faul dafür wäre!

Mittwoch, 28. Mai 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 4

Meine lieben Mitreisenden, ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen guten Morgen und freue mich, Sie auch heute wieder begrüßen zu dürfen!

Kann's losgehen? Super. Also, wir kommen zusammen mit Lianne und dem Raben an einer trostlosen, heruntergekommenen Fabrikhalle an, in die er mit seinem Auto hereinfährt. Aus der Tatsache, daß das Tor sich von alleine öffnet, schließt Lianne haarscharf, daß des Raben übersinnliche Kräfte da am Werk waren. Wäre ja auch voll uncool, wenn er einfach nur einen elektrischen Torheber mit Fernbedienung eingebaut hätte, ne?

Hier hat Lianne zunächst Gelegenheit, des Raben Zweit- und Drittwagen zu bewundern, bei denen es sich um einen Thunderbird High Back und einen Range Rover Evoque handelt. Oh, na klar, Herr Waldmann, ich mußte die auch erst googeln! Aber keine Sorge, nachher bekommen Sie noch einen "kleine Infobroschüre", hihi, vom literarischen Institut Sankt Infodumping. Diesmal mit Fotos. Tja, offenbar verdient man sehr gut bei der streng geheimen Geheimorganisation!

Hinter einer massiven Eisentür befindet sich schließlich die Wohnung vom Raben. Okay, meine Lieben, es ist Zeit für ein kleines Quiz. Für diejenigen unter Ihnen, die schon mal ein Romantic Suspense-Buch mit einem coolen, geheimnisvollen Helden gelesen haben, ist es bestimmt nicht schwierig. Also: was befindet sich hinter der Eisentür und wird vom Raben bewohnt: a) die ehemalige Waschkaue der Fabrik, in die er sich eine Matratze gelegt hat, oder b) die Treppe in den Keller, wo er in einem leeren Ölfaß schläft, oder c) ein megacooles Loft mit einer superschicken Einrichtung, die jeden Innenarchitekten in Tränen des Neids ausbrechen ließe?

Ja, richtig, es ist Antwort c! War doch gar nicht schwer zu erraten, oder? Und er züchtet sogar frische Kräuter auf der Fensterbank in der Küche...nein, Cheyenne-Kimberly, als ich dieses Buch zuletzt bereist habe, hatte der Rabe zumindest noch keinen schwulen Zwillingsbruder!

Leider hat Lianne nicht sehr viel Zeit, ihre neue Umgebung zu bewundern. Natürlich nimmt sie sie sich trotzdem, dafür kennen wir doch inzwischen unsere Heldin! Anschließend versucht sie, dem Raben zu helfen, der arg unter Fieber und Schüttelfrost leidet, sich aber weigert, einem Arzt Einlaß in sein Luxusdomizil zu gewähren.

Anschließend macht der Rabe ein zwei Tage langes Nickerchen, das aber nicht annähernd so erholsam ist, wie es sich anhört. Der Ärmste muß im Schlaf nämlich die Zeit seiner Gefangenschaft und Folter aufs Neue erleben. Obendrein wurde er in dieser Zeit auch noch mit geheimnisvollen Drogen traktiert, die ihn abhängig machten.

Als er wieder aufwacht, erblickt er als erstes Lianne und bewundert ihre blonden Haare und ihre auch ungeschminkt schwarzen Wimpern. Ja, Frau Klawuttke, ich finde das auch ganz erstaunlich! Aber wissen Sie was, es wird schon wieder Zeit für ein Quiz! Jawollo. Und danach dürfen Sie nach Herzenslust Gebrauch von diesem besonders großzügig ausgebauten Klischee-Aussichtspunkt machen. Also, es geht los. Unser gesundheitlich schwer angeschlagener Held hat fast zwei Tage lang geschlafen und hat zwischendurch nur hin und wieder mal Medikamente und Wasser von Lianne bekommen. Er hat grauenhafte Alpträume gehabt. Was will er nach dem Aufwachen als erstes: a) pinkeln, b) was auf die Gabel oder c) mit Lianne vögeln?

Natürlich ist Antwort c richtig! Nun ja, ich habe auch schon Bücher mit überraschenderen Wendungen gelesen. Aber immerhin hat Raven eine Handlung, und damit hat es so manch anderem Buch, wie beispielswese dem Telefonbuch oder Twilight, durchaus etwas voraus!

Lassen wir die beiden nun einen Moment alleine, um ihre Zweisamkeit zu genießen. Wir können uns unterdessen an der wundervollen Prosa dieses Buches ergötzen.

ihre Brüste wippten wie goldene Äpfel auf dem Baum der Versuchung

Hach. So etwas liest man nicht alle Tage, nicht wahr?

Leider hält das Glück nicht lange an, und nach dem Sex ist der Rabe schweigsam und verschlossen, was bei Lianne seitenlanges Nachdenken über das wieso und warum dieses fiesen Verhaltens auslöst. Aber ich glaube, wir sind jetzt alle bereit für einen leckeren Teller Bohnen auf labberigem Toastbrot, nicht wahr?

Machen Sie es gut. Bis morgen!

Freitag, 2. Mai 2014

Nennt mich Frosty Morgenmuffel

Im Romantic Times Magazin habe ich mal wieder was komplett beknacktes gefunden. Und zwar das hier:



Die Heldin heißt Gypsy Rum McQade, und ihr verstorbener Bruder hieß überraschenderweise nicht Glühwein oder Zigeunerschnitzel, sondern Mark. Aber - echt jetzt? Zigeuner Rum McQuade? Wer zum Teufel denkt sich so einen Namen aus? Und müßte sie nicht in "Spirituose nach Balkanart" umbenannt werden?

Der Held des Buches hat es aber auch nicht viel besser getroffen. Der heißt nämlich Rule Breaker. Das ist grundsätzlich ziemlich praktisch, da es als Warnung für alle dient, die mit ihm zu tun haben. In der Schule hat er bestimmt schon immer einen Tadel oder eine Strafe bekommen, bevor er was angestellt hat. Niemand geht mit ihm essen, da man schon vorher weiß, daß er rülpsen, furzen, den Kellner anpöbeln und seiner Begleiterin ins Dekolleté kotzen wird. Und ganz bestimmt wird ihm keine Fluggesellschaft jemals ein Ticket verkaufen...aber stellt euch mal vor, jeder würde so heißen, wie er ist.

Ich würde wahrscheinlich Frosty Morgenmuffel heißen, weil ich meistens friere, wenn alle anderen schon Hitzewallungen haben, und weil ich morgens, na ja, muffelig bin.

Mein Liebster hieße  wahrscheinlich Frikadellenvernichter. Oder König des Fluchens.

Meine Freundin H. könnte sich mit dem Namen Putzteufelina Frühaufsteherin schmücken...(H. und ich haben sehr gegensätzliche Angewohnheiten. Wir könnten nie zusammen in einer WG wohnen).

Und mein Chef? Wo Isser würde gut passen, oder Kettenraucher.

 Das System hat allerdings einen ganz wesentlichen Makel: wenn wir geboren werden und unsere Eltern uns einen Namen geben, dann wissen sie schließlich noch nicht, wie wir später mal werden. Also plädiere ich doch eher dafür, Kindern ganz normale Namen zu geben. Oder eben solche wie Kevin oder Cheyenne-Kimberly. Auch wenn mit letzteren eine Karriere als Scripted Reality-Opfer bei RTL 2 vorgezeichnet ist.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Photoshopverbot für Außerirdische

Jetzt guckt euch doch mal bitte dieses Buchcover an.



So eine Verrenkung bekommt ein Mensch nie, nie, niemals hin. Nicht, wenn alle seine Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln so funktionieren, wie es bei Menschen normalerweise der Fall ist. Ich vermute, daß Ellora's Cave die Covergestaltung outgesourced hat - nur leider an ein Lebewesen, das noch nie einen lebendigen Menschen gesehen hat.

Also, liebe Außerirdische: Hände weg von Photoshop!

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 3

Hallöli, meine lieben Mitreisenden! Endlich geht's weiter im Buch Raven von Andrea Mertz! Ich hoffe, Sie sind alle topfit und voller Tatendrang, denn heute wird es sportlich. Wir springen und klettern von einem Klischee-Aussichtspunkt zum nächsten. Haben Sie alle festes Schuhwerk, Helme, Schutzbrillen und Schwimmwesten? - Ausgezeichnet, dann kann's ja losgehen!

Als erstes gehen wir ins Krankenhaus, denn dort wurde Lianne hingebracht. Obschon ihre Verletzungen harmlos sind und keiner weiteren medizinischen Aufmerksamkeit bedürfen, wurde sie dort in einem Einzelzimmer untergebracht und wird von einer resoluten, aber herzlichen Krankenschwester umsorgt. Respekt, britisches Gesundheitssystem!

Lianne hat gerade Besuch, denn ihre Kollegen von der Zeitung sind da. Dabei stellt sich heraus - ja, meine Lieben, hier ist unser erster Klischee-Aussichtspunkt, bitte nicht drängeln, jeder kann ein Foto machen - daß der Pressefotograf der Zeitung in Lianne verknallt ist. Sie mag ihn aber nur als Freund, weil sie überhaupt noch nie wirkliche Leidenschaft für einen Mann empfunden hat und Sex für total überbewertet hält.

Wenig später werden Liannes Kollegen von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester vertrieben, und Lianne - ja, genau, dies ist schon der nächste Klischee-Aussichtspunkt. Bitte betreten Sie den immer nur zu zweit. Es ist ein bißchen eng. Also Lianne sinnt vorm Einschlafen - holy moly! - darüber nach, wie sinnlich und wundervoll sich des Raben Körper während der Rettungsaktion an ihrem angefühlt hat. Sie stellt sich vor, wie sie mit ihm (total überbewerteten?) Sex hat, und beschließt, ihn zu suchen.

Indessen beobachtet der Rabe das Krankenhausvon seinem Auto aus. Er ist ein körperliches Wrack und hält sich nur mit Hilfe von aus einer Apotheke geklauten Tabletten wach. Er war nämlich monatelang in Gefangenschaft, wo man ihn grauenvollen Versuchen und Tests an Körper und Geist ausgesetzt hatte. Jetzt ist seine Erinnerung lückenhaft wie ein Schweizer Käse und seine körperlichen Kräfte schmelzen dahin wie das Eis am Polarkreis.

- Ja, Herr Schneider, ich finde auch, daß er sich als Frau verkleiden und sich einfach in Liannes Krankenbett legen und von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester umsorgen lassen sollte. Der arme Kerl bricht uns noch zusammen! Nein, Scherz. Wir wollen doch Action sehen, stimmt's?

Oh, bevor ich's vergesse. Haben Sie alle Ihre Rucksäcke mit? Ausgezeichnet. Dann verteile ich jetzt mal die heutige Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Sie haben recht, Frau Klawuttke, 15 Kilogramm sind schon sehr viel für eine sehr klein und auf ganz dünnem Papier gedruckte Infobroschüre. Aber was soll man machen, dem Raben geht eben sehr viel durch sein lückenhaftes Gedächtnis. Seien Sie froh, daß er so viel vergessen hat, sonst bräuchten wir einen Gabelstapler, um die Broschüren zu transportieren.

Also, der Rabe wurde nach dem Anschlag auf seine streng geheime Geheimorganisation gefangen genommen, ist getürmt und wurde irgendwann in Bulgarien ausgesetzt. Zurück in England traute er sich nicht, sich bei der streng geheimen Geheimorganisation zu melden, weil er davon überzeugt ist, daß sie einen Maulwurf haben.

Der Rabe - aber sicher, hier können Sie wieder einige sehr hübsche Klischee-Fotos machen - hat seinen Glauben an die Menschheit schon in seiner schlimmen Kindheit verloren, denn er wuchs in Heimen und bei Pflegeeltern auf, und sein Pflegevater tötete seinen einzigen Freund, einen Raben namens Charlie.

Außerdem findet er Lianne wunderschön und sexy, aber hält nichts von Beziehungen...ja, Klischeefotos. Ein Glück, daß die Digitalkameras erfunden wurden, nicht wahr? Sonst müßten Sie alle fünf Minuten einen neuen Film einlegen...wo war ich? Genau. Also, der Rabe hält nichts von Beziehungen, weil er frei sein will und alle Frauen entweder eiskalt und herzlos sind oder anfangen zu klammern.

Plötzlich stellt er fest, daß ein großer schwarzer BMW vorm Krankenhaus hält und drei Männer aussteigen, die dunkel gekleidet sind und die Mantelkragen hochgeschlossen haben. Nun, höchstwahrscheinlich waren die T-Shirts mit der Aufschrift "WIR SIND VERBRECHER UND HABEN ES AUF LIANNE ABGESEHEN" gerade in der Wäsche. Das macht aber gar nichts, denn der Rabe weiß natürlich sofort, was diese Herren im Schilde führen.

Der Rabe macht sich auf die Socken zu Liannes Zimmer, von dem er unerklärlicherweise weiß, wo es sich befindet. Lianne und der Rabe starren sich ungefähr 20 Minuten bzw. 1 1/2 Buchseiten lang an und sinnen darüber nach, wie geil sie sich gegenseitig finden und welch wunderschöne Augen die jeweils andere Person hat. Anschließend läßt der Rabe Lianne wissen, daß sie sofort mit ihm mitkommen muß, weil sie in Gefahr ist, daß er ihren Bruder kennt und daß er Raven genannt wird.

Bevor sie sich auf den Weg machen, folgt noch der überflüssigste Infodump der Geschichte, in dem eine halbe Seite lang alles beschrieben wird, was der durchschnittliche Mitteleuropäer mit Raben assoziieren kann. Also zum Beispiel die Mythologie der Wikinger, nach der der Chefgott Odin jeden Morgen seine Raben Hugin und Munin aussandte, die ihm dann abends die neuesten Nachrichten zurückbrachten. Deshalb nannte man Odin auch Hrafnagud, den Rabengott. - Hey! Aufwachen! Sie werden doch wegen ein paar vollkommen überflüssiger Informationen nicht gleich einnicken! Tsktsk.

Einige Seiten unwichtiger Informationen und beknackter Dialoge weiter, verlassen unsere beiden Helden endlich das Krankenzimmer.

Halten Sie Ihre Kameras bereit, meine Damen und Herren, denn jetzt kommt eins meiner - und sicherlich auch gleich Ihrer - Lieblingsklischees. Ein echter Klassiker. Einfach wundervoll.

Die Bösewichte sind im Anmarsch, und damit sie Lianne und den Raben nicht bemerken, packt er sie und küßt sie. Viele, viele Zeilen lang. Und viele, viele weitere Zeilen lang denkt Lianne darüber nach, wie wundervoll dieser Kuß war, und was es damit auf sich hatte.

Wenig Zeit und viele langweilige und überflüssige Gedankengänge später schaffen es unsere beiden wackeren Helden, das Krankenhaus zu verlassen. Leider gibt es dabei eine Schießerei und die Bösewichte sind ihnen auf den Fersen. Also türmen die beiden in einem geklauten Lieferwagen. Es gibt eine Verfolgungsjagt, die spannend und voller Action wäre, wenn sie nicht ständig von Liannes ziemlich dämlichen Gedankengängen unterbrochen würde.

Während Lianne noch darüber nachdenkt, ob sie sich einen Hund anschaffen soll, kommen sie und der Rabe bei dessen eigenem Auto an fahren damit weiter.

Der Rabe schafft es schließlich, die Verbrecher los zu werden und bringt Lianne zu seiner Wohnung, wo schon die nächsten Klischees auf uns warten. Aber das sparen wir uns für den nächsten Tag auf, denn jetzt wollen wir sicher alle ins Hotel und uns mit einem leckeren Teller Bohnen stärken!

Bis morgen, meine lieben Mitreisenden!

Sonntag, 9. März 2014

O tempora, o mores...

Es ist ein Skandal! Offensichtlich müssen heutzutage selbst jahrhundertealte Jedi-Meister aufgrund zu kleiner Renten in prekären Verhältnissen leben und auf sehr zweifelhafte Weise ein wenig Geld hinzuverdienen.

Wir alle kennen Yoda so...


...doch kaum jemand weiß, daß er inzwischen sein Geld mit dem Versenden von Spam- bzw. Phishing-Mails verdient!