Montag, 23. Februar 2015

Die Oscar-Verleihung 2015

So, die Oscar-Verleihung 2015 ist überstanden und ich habe sie mir natürlich wieder live angeschaut. Dieses Jahr war hat es mir schon wesentlich besser gefallen als in den letzten beiden Jahren. Es war irgendwie lustiger und glamouröser. Ich hatte auch den Eindruck, daß es weniger beige Damenkleider gab (wer geht in einem beigen Kleid zum Ereignis des Jahres - laaaaaaaaaaaaaangweilig! Aber das Kleid von Jennifer Lopez war ziemlich häßlich und fleischfarben) und etwas weniger bärtige Herrengesichter. Können die Herren jetzt bitte alle wieder ihre Vollbärte abrasieren, es sei denn, sie sind a) der Nikolaus, b) Bandmitglieder von ZZ Top oder c) Holzfäller in der Wildnis Kanadas? Besonders Ben Affleck. So ein gutaussehender Mann, wenn er rasiert ist. Oh, und Gwyneth Paltrow sah unfaßbar viel besser als in der Boss-Parfumwerbung aus. Seltsam, oder? Ich meine, für die Werbung wurde sie doch sicherlich auch stundenlang gestylt, geschminkt und ins rechte Licht gesetzt.

Dann gab es noch dieses Lied, das das ganze Internet gehaßt hat, und das ich unfaßbar geil - oder eben "awesome" fand...



Und natürlich die Filme, von denen ich wieder mal keinen gesehen hatte. Von manchen habe ich bisher noch nicht mal was gehört, z. B. vom Grand Budapest Hotel. Bin mir aber auch nicht sicher, ob der hier schon im Kino war. Into the Woods scheint interessant zu sein. Aber ich zweifle noch, ob ich wirklich für zwei Stunden Gesang ins Kino gehen sollte. Hm.

Da bleibt nur noch eine Frage zu klären. Diese beiden hier - das sind doch Zwillinge, die versehentlich bei der Geburt getrennt wurden, oder?

Sonntag, 4. Januar 2015

Sarah Morgan: Sleigh Bells in the Snow

Kayla Green ist die erfolgreichste Mitarbeiterin einer New Yorker Firma, die für andere Unternehmen...Public Relations? Unternehmensberatung? Irgendwas macht. So genau wird es nicht beschrieben. Jedenfalls möchte Jackson O'Neil, dessen Familie das kurz vor der Insolvenz stehende Snow Crystal Resort and Spa in Vermont besitzt, daß Kayla seinem Unternehmen zum Erfolg verhilft. Dazu soll sie unbedingt eine Woche im Resort verbringen. Da in New York gerade Weihnachtsstimmung herrscht und Kayla eine Weihnachtsphobie hat, kommt ihr das sehr gelegen. Das Resort ist nämlich am Arsch der Welt, und Kayla geht davon aus, daß sie dort eine Woche lang nichts als Schnee, Elche und Powerpoint-Präsentationen sehen wird. Nur hat sie da die Rechnung ohne Jackson und die restlichen O'Neils gemacht, die niemanden wieder aus ihrem Ferienort herauslassen, ohne ihm eine gründliche Weihnachts-Gehirnwäsche verpaßt zu haben.

Sarah Morgan ist auch so eine Autorin, die auf amerikanischen Websites über den grünen Klee gelobt wird. Und so dachte ich, probiers mal aus. Wenig später mußte ich so sehr mit den Augen rollen, daß mir fast schwindelig wurde.

Da wären zunächst mal Kayla und ihre Arbeitskollegen. Kayla hatte eine SCHLIMME KINDHEIT und ihre schlimmsten Erlebnisse hatte sie an Weihnachten. Seitdem will sie mit ihrer Familie nichts zu tun haben, haßt Weihnachten und vermeidet jede Art von persönlichen Beziehungen. Ok, ihre Entscheidung. Nun gehen ihr allerdings ihre Arbeitskollegen unentwegt mit irgendwelchen Weihnachtsdingen auf den nicht vorhandenen Sack: komm doch mit uns Weihnachten feiern, hast du den und den Weihnachtsfilm gesehen, wann fährst du zu deiner Familie, was machst du mit deiner Familie zu Weihnachten, hach, ist das nicht alles furchtbar bezaubernd usw. usf.

Und was macht die angeblich so durchsetzungsstarke Geschäftsfrau Kayla? Wenn ihr jetzt denkt: ganz klar - sie sagt allen, daß sie nicht religiös ist, keine Familie hat, mit Weihnachten nichts anfangen kann, und daß man sie bitte in Ruhe lassen möge...dann liegt ihr völlig falsch. Außer ein paar schwächlichen Ausreden fällt ihr zu dem Thema nämlich nichts ein.

Dann wandelt sich die Handlung ganz plötzlich in einen Horrortrip. Kayla lernt nämlich die ganze Familie O'Neil kennen. Laßt euch das mal auf der Zunge zergehen. Eine Public Relations-Expertin / Unternehmensberaterin / was auch immer soll einem in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen helfen und wird als erstes in die Küche der Unternehmerfamilie gebracht. Da drängt ihr Jacksons Mutter erst Kekse auf, dann soll sie beim Lebkuchen dekorieren helfen und anschließend mit der Familie Gulasch essen. Jacksons Oma will, daß sie beim Wolle aufwickeln hilft, und Jacksons grantiger Opa sagt so sinngemäß: "Wenn das Mädchen noch nicht mal Lebkuchen mit Zuckerguß dekorieren kann, wie soll sie uns dann bei unserer Finanzlage helfen?" Hä??

Kein Wunder, daß Kayla die Flucht ergreift. Ich finde es viel erstaunlicher, daß es gar nicht lange dauert, bis sie die ganze Familie bezaubernd und liebenswert findet, sich in Jackson verliebt und nach vollzogener Gehirnwäsche auf die Beförderung pfeift, die ihr ihr Chef anbietet.

Das ganze Buch ist eine Katastrophe. Die Charaktere sind eine Katastrophe, die Handlung ist eine Katastrophe, und meistens sind auch die Dialoge eine Katastrophe. Sarah Morgans Charaktere sprechen nämlich oft und gerne so, als hätten sie einen Sprüchekalender verschluckt.

Warum habe ich also nicht nur dieses Buch zuende gelesen, sondern auch dessen beide nicht ganz so schlimme Fortsetzungen gelesen? Hmmm...ich bin mir nicht sicher. Könnte sein, daß diese Snow Crystal Trilogie so etwas wie literarischer Glühwein ist. Der erste Becher schmeckt noch nicht so richtig, hat aber genug Umdrehungen, daß man ab einem gewissen Punkt alles lustig findet. Und danach trinkt man einfach weiter, bis man nicht mehr friert und alles spaßig ist.

Freitag, 2. Januar 2015

2014 - der Leserückblick

Dank meiner Neuerwerbung, dem Kindle, weiß ich jetzt nicht nur, daß ich 2014 wahnsinnig viel gelesen habe, sondern auch, welche Bücher das waren! Und ich muß schon sagen, es war ganz schön viel Schrott dabei. Holla die Waldfee. Ich glaube, meine Pläne, die inoffizielle Nachfolgerin von Herrn Reich-Ranicki zu werden, kann ich endgültig in die Tonne treten. Na ja, natürlich habe ich nicht an jedem schrottigen Buch Spaß gehabt, und manche habe ich gar nicht zuende gelesen. Aber vieles war eben auch nicht schrottig, und auch ein schlechtes Buch kann sehr vergnüglich sein. Kommen wir zur Sache und fangen mit Büchern von Autoren mit dem Anfangsbuchstaben A - G an:

Bailey, Tessa: Asking for Trouble
Reiche Heldin und bürgerlicher Held, der sie anfangs ständig für die Tatsache, daß sie - wie man hier im Ruhrgebiet sagt - Schotter anne Füße hat, verspottet. Kein Meisterwerk der romantischen Literatur, aber ganz spaßig.

Bailey, Tessa: Baiting the Maid of Honor
Tja, das war das Buch, das dazu geführt hat, daß ich keine weiteren Tessa Bailey-Bücher mehr lese. Der Held ist ein Psychopath. Im Epilog bringt bringt er die Sachen der Heldin aus ihrer Wohnung in seine, während sie auf der Arbeit ist, weil er findet, daß sie bei ihm wohnen sollte. Wäre dieses Buch aus Papier gewesen, hätte ich es verbrannt.

Bailey, Tessa: Officer off Limits
Das habe ich natürlich vor Baiting the Maid of Honor gelesen. Die Heldin heißt Story mit Vornamen (wtf?) und irgendwie kommt am Ende des Buchs raus, daß ihr Vater ein bißchen intrigiert hat, damit sie und der Held zusammenkommen. Wenn man bedenkt, daß der Held einer von diesen "ich vögel alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist"-Typen ist, ist das ziemlich seltsam.

Samanthe Beck: Light Her Fire
Na ja. Das Buch war ganz ok. Er ist Feuerwehrmann, sie ist Arzthelferin, sie streiten sich ein bißchen darüber, wo sie wohnen sollen.

Stephen Blackmoore: Broken Souls
Das ist die Fortsetzung von Dead Things und auch wieder sehr, sehr cool. Ich lese ja eher selten Fantasy, aber das hier war wirklich sehr abgefahren.

Stephen Blackmoore: City of the Lost
Spielt in der gleichen Welt wie Broken Souls und Dead Things, aber mit einem anderen Nicht-Helden. Joe Sunday ist ein Verbrecher, der wirklich eklige Dinge tut und zu einem Zwischending aus Superheld und Zombie wird. Sehr, sehr krass, und ich hoffe, daß Stephen Blackmoore davon auch mal eine Fortsetzung schreibt.

Sharon Bolton: Now You See Me
Englischer Krimi mit einer Heldin, die eine sehr finstere Vergangenheit hat. Es war ganz spannend, aber ich fand Lacey einfach unsympathisch. Über eine durch einen Unfall verunstaltete Frau denkt sie beispielsweise: "My life wasn't much to write home about, but it would be a whole lot worse if I looked like she did."

Patricia Briggs: Silver Borne
Das 5. Mercy Thompson Buch. Wie immer spannend und gut geschrieben.

Buchwitz & Stanze: Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin
Noch ein Buch mit einer unsympathischen Heldin. Diese hier arbeitet im Callcenter einer Bank und verbringt ne Menge Zeit damit, zu saufen, zu rauchen und ihrer Familie aus dem Weg zu gehen. Aber das Happy End ist bezaubernd.

Monica Burns: Assasin's Honor
Das Buch konnte ich einfach nicht zuende lesen. Ich kam aber immerhin bis Seite 161, bevor mir die Heldin zu sehr auf den Keks ging. Diese Idiotin wird zu ihrem Schutz, aber gegen ihren Willen, vom Helden mit zum streng geheimen Geheim-Hauptquartier von dessen streng geheimer Geheimorganisation genommen, wo sie sich dann fortwährend für ihre Anwesenheit entschuldigt.

Grace Burrowes: Gareth
Ein Regency-Roman mit einem verdammt abgefahrenen Plot. Die Heldin hat von einer (angeblich wohlmeinenden) Verwandten ein Bordell geerbt, aber nur unter der Bedingung, daß sie da auch arbeitet. Der Held soll laut Testament als eine Kreuzung aus Aushilfsstecher und Unternehmensberater für Rotlichtbetriebe fungieren. Völlig bescheuerte Handlung und dämliche Hauptfiguren, aber sehr spannend und rührend geschrieben. An manchen Stellen habe ich Rotz und Wasser geheult.

Grace Burrowes: The Laird
Nie mehr Grace Burrowes.

Grace Burrowes: The Traitor
Wer dieses Buch kennt, weiß, wie sehr einem passiv-aggressive Verhaltensweisen selbst bei Romanfiguren auf den Keks gehen können. Aber auch wieder sehr, sehr rührend.

Isobel Carr: Ripe for Scandal
Der Held ist der beste Kumpel vom Bruder der Heldin. Und wer solche Freunde hat, braucht echt keine Feinde mehr. Wobei man jetzt aber auch sagen muß, daß der Held nicht gerade die hellste Kerze im Kronleuchter ist.

Isobel Carr: Ripe for Seduction
Jerry Springer Show goes Georgianisches Zeitalter in England. Der Held ist ein Fummler, der seine Finger nicht bei sich behalten kann, aber am Ende des Buchs lieben sich alle und die Schwester des Helden heiratet den Vater der Heldin. Take that, Jerry Springer.

Jane Casey: The Kill
Der neueste Maeve Kerrigan-Krimi. Wie immer sehr spannend, aber für meinen Geschmack zu sehr auf die Beziehung zwischen Maeve und Josh Derwent, ihrem Vorgesetzten, fixiert. Also, Derwent ist schon ein sehr interessanter Charakter, weil er eben nicht nur ein Arschloch ist. Aber es war diesmal ein bißchen zuviel des Guten.

Jane Casey: Left for Dead
Eine Maeve Kerrigan-Kurzgeschichte. War ganz unterhaltsam.

Jane Casey: The Stranger You Know
Der 4. Maeve Kerrigan-Krimi, also Vorgänger von The Kill. Wie immer superspanned, aber auch schon sehr Derwent-lastig.

Pamela Clare:Striking Distance
Typischer amerikanischer Romantic Suspense mit heldenhaftem Helden und wunderschöner Heldin. Aber gut geschrieben, und weitestgehend ohne dieses "oh, ich kann NIENIENIE eine Beziehung haben, weil meine Mama meinen Papa betrogen hat"-Gequengel. Daumen hoch! (Daß der Held sich untenrum rasiert, hätte ich allerdings nicht unbedingt wissen müssen).

Lisa Clark O'Neill
Die perfekte Mischung aus Liebesroman und Krimi, mit liebenswerten Protagonisten und Nebenfiguren, jedoch ohne Überzuckerung und Zahnschmerzgefahr. Hat mir sehr gut gefallen!

Victoria Dahl:Lead Me On
Boah, was habe ich diese Romanheldin gehaßt. Der Held ist einer der nettesten Romanhelden, über die ich je gelesen habe, und er hat einen supercoolen Beruf. Aber die Heldin ist eine zickige, oberflächliche blöde Kuh, der ich nichts als Fußpilz und Zahnfäule wünsche.

Tami Dane: Blood of Eden
Mittelprächtiger Paranormal. Kann man lesen, muß man aber nicht.

Tessa Dare: Romancing the Duke
Oh, dieses Buch habe ich geliebt! Es hat eine goldige Heldin mit Herz und Verstand und einen Helden, der die allerbesten Sprüche drauf hat. Wobei ich allerdings immer noch nicht verstehe, warum ein englischer Herzog Lösegeld mit Vornamen heißt. Trotzdem, ein großartiges Buch.

Richard Dübell: Allerheiligen
Ein Krimi, der in Landshut spielt. Ganz spanned geschrieben und hat mich gut unterhalten.

Richard Dübell: Himmelfahrt
Die Fortsetzung von Allerheiligen. Auch kein schlechtes Buch, allerdings ist die Angebetete des Protagonisten nervend zickig. Sowas braucht echt keiner in seinem Leben.

Rita Falk: Dampfnudel-Blues.
Ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Sehr witzig.

Rita Falk: Grießnockerl-Affäre
Genau: auch wieder ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Rita Falks Krimiheld, Franz Eberhofer, ist ein ziemliches Arschloch. Aber die Bücher sind einfach lustig.

Rita Falk: Sauerkrautkoma
siehe Oben...

Rita Falk: Schweinskopf Al Dente
Ihr wißt schon...

Rita Falk: Winterkartoffelknödel
Den Film zum Buch habe ich im Kino gesehen, ohne das Buch bzw. die Buchreihe vorher zu kennen. Ich hätt mich vor Lachen wegschmeißen können. Danach habe ich mir dann das Buch bestellt. Joa. Lustige Buchreihe.

Leighton Gage: Every Bitter Thing
Der vierte Mario Silva Krimi von Leighton Gage. Die Mario Silva-Bücher spielen in Brasilien und sind zwar nicht humorfrei, aber wegen der krassen Gewaltbeschreibungen und den schlimmen Schicksalen der meisten Haupt- und Nebenfiguren das Gegenteil von lustig. Dafür aber wahnsinnig spannend und auf jeden Fall sehr empfehlenswert.

Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen (Originaltitel: Well-Schooled in Murder)
Ein Inspektor Linley-Krimi aus 1990. War recht spannend und spielte größtenteils in einem Internat. Eine Kreuzung aus Hanni und Nanni und einem Horrorfilm. Wobei ich mich daran erinnere, daß ich als Kind einige Stellen aus Hanni und Nanni auch sehr bizarr fand. Zum Beispiel, wie sie für ältere Mitschülerinnen Feuer machen und Schuhe putzen mußten. Oder bilde ich mir das nur ein??

Grace Burrowes: The Laird

Michael Brodie ist ein schottischer Clanchef, der nach 9 Jahren der Abwesenheit zu seinem heimatlichen Anwesen nebst Burg und auf ihn wartender Ehefrau zurückkehrt. Er hat nämlich in geheimer Mission für Volk und Vaterland gegen Napoleon gekämpft. Obschon der Krieg gegen Napoleon zu Anfang der Handlung des Buches auch schon ein paar Tage her ist, hat seine Frau, Brenna, nichts von ihm gehört und wußte weder, ob und wann er nach Hause kommt, noch wie es ihm geht. Na ja, Brenna ist zunächst mal ein bißchen angefressen und auch nicht so richtig entzückt von dem Gedanken, sofort mit Michael Sex zu haben. Die beiden vertragen sich zwar nach und nach immer besser, aber es gibt trotzdem noch genug Geheimnisse auf der Burg: warum mag sich Brenna nicht anfassen lassen? Was ist mit der Finanzlage des Clans, und warum schiebt Brenna Panik, wenn Michaels kleine Schwester, sie ist 8 oder 9 Jahre alt, in die Nähe von Onkel Angus geht?

Hier kommen übrigens gleich ein paar Spoiler, wer die also nicht sehen möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen.

Auf einigen amerikanischen Bücherseiten gab es ja so einen kleinen bis mittleren Hype um Grace Burrowes. Und während ich auf Menorca Urlaub machte und sehr ausgiebig testete, ob man Bücher auf einem Kindle tatsächlich auch im prallen Sonnenlicht lesen kann (man kann), habe ich mal ausprobiert, was ich von diesem Hype halte. Also, ich mag den Schreibstil von Grace Burrowes. Ihre Bücher sind nicht langweilig und haben meistens ein paar sympathische Charaktere, denen man ihr Happy End gönnt. Die Sympathie hat mit The Laird aber auch schon ihr Ende gefunden, und das mit gutem Grund. Oder besser gesagt, mit mehren guten Gründen. Da sind die äußerst seltsamen und gestelzten Dialoge, wie z. B. dieser ganz am Anfang:

"I meant, I wrote from Edinburg to let you know I was coming home."

"Edinburgh is lovely in summer."

WTF??

 Vielfach reden die beiden sich mit "Husband" und "Wife" an. Die beiden verbringen die Zeit mit Essen, Schlafen, und eigenartige Konversationen haben, und nach zwei oder drei Tagen sagt Michael Brenna, daß er sie liebt. Ok...Brenna findet das merkwürdig und sagt es auch, aber sie ist weitaus weniger überrascht als ich.

Wie auch immer - es dauert nicht allzu lange, bis unsere beiden Protagonisten sich ineinander verliebt haben, und eigentlich hätte das eine nette Kurzgeschichte mit grottigen Dialogen und allseits befriedigendem Happy End sein können, wenn da nicht eine Sache wäre.

Einer der Burgbewohner ist ein Pädophiler. Ein Kinderschänder, der im Laufe der Jahre schon Brenna und einen ihrer Cousins und mehrere andere Kinder aus der Umgebung mißbraucht hat. Fast jeder, der dort wohnt, weiß was mit demjenigen los ist. Fast jeder weiß, was er tut und wozu er in der Lage ist. Und sie lassen ihn alle gewähren! Jahrelang läuft dieser Mann frei herum, und außer einer etwas vagen Warnung an Kinder im entsprechenden Alter - "geh nicht in die Ställe und versuch, nicht mit demjenigen allein zu sein" unternimmt niemand etwas! Selbst als Michaels kleine Halbschwester zu Michael und Brenna geschickt wird, um bei ihnen zu wohnen, sagt Brenna nichts! Natürlich erhält der Kinderschänder schließlich seine gerechte Strafe, das Buch hat ja ein Happy End. Aber dieses passive Verhalten wirft kein gutes Licht auf Brenna und alle anderen, die von der Sache wußten. Und das hat mir das Buch endgültig verdorben. Ich habe es zuende gelesen, aber ich habe mich die ganze Zeit geärgert.

Samstag, 26. Juli 2014

Rose Lerner: Sweet Disorder

Phoebe Sparks ist die junge Witwe eines Zeitungsverlegers und lebt in einer Kleinstadt namens Lively St. Lemeston in England im Jahr 1812. Bis auf ihren permanenten Geldmangel ist sie mit ihrem Leben zufrieden, denn sie hat eine jüngere Schwester, die sie liebt, versteht sich blendend mit ihrem Schwager und einer Menge anderer netter Menschen in dem Ort, und kann weitestgehend machen, was sie will. Ihr Leben wird leider dadurch komplizert, daß in England Parlamentswahlen bevorstehen. Hier wird es kompliziert. Offenbar ist es so, daß für Lively St. Lemeston nur ein Abgeordneter ins Parlament einziehen kann, und daß nicht jeder Einwohner an der Wahl teilnehmen darf, so daß jede Stimme heiß umkämpft wird. Phoebe darf als Frau nicht wählen, aber sie hat von ihrem Vater eine Stimme geerbt, mit der ihr neuer Mann wählen dürfte, wenn sie denn vor der Wahl noch heiraten würde. Hier kommt Nick Dymond ins Spiel. Nick ist der jüngere Sohn einer reichen Adelsfamilie, und insbesondere seine Mutter hat große politische Ambitionen. Nicks älterer Bruder soll unbedingt der Parlamentsabgeordnete werden, und deshalb soll Nick Phoebe überreden, ein Parteimitglied zu heiraten, das dann natürlich für Nicks Bruder stimmen würde.

Soweit der komplizierte Handlungshintergrund, den ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich verstanden habe. Das liegt hauptsächlich daran, daß ich keine Ahnung vom politischen System in England im 19. Jahrhundert habe. Sie hatten einen König, und sie hatten ein Oberhaus, in dem Vertreter des Hochadels saßen, und ein Unterhaus, in dem wohl die Normalbürger vertreten waren - aber alles andere ist mir weitestgehend schleierhaft. Warum besitzt Nicks Mutter so einen großen politischen Ehrgeiz, obwohl sie selbst als Frau weder das aktive noch das passive Wahlrecht hat, und hat die Familie - Nicks Vater ist ein Graf - nicht sowieso einen Sitz im Oberhaus, für den man nicht gewählt werden muß?

Aber egal. Man muß das alles nicht genau verstehen, um das Buch wundervoll zu finden. Und es ist wundervoll. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, und es war das beste Buch, das ich bisher in 2014 gelesen habe.

Ich liebe es, wie Rose Lerner Phoebe und Nick und alle Nebenfiguren als Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, Macken und kleinen Ticks lebendig werden läßt. Phoebe mag ich ganz besonders. Ich sage das wirklich selten über eine Romanheldin, aber wenn Phoebe ein echter Mensch wäre, würde ich ihre Freundin sein wollen.

Phoebe kann nämlich recht spitzzüngig sein, sie hat Humor und eine sehr direkte Art im Umgang mit anderen Menschen. Und sie hat ein gesundes Selbstbewußtsein; sie läßt sich von niemandem einfach so herumscheuchen. Phoebe drückt ihren Mitmenschen gerne mal einen Spruch, genießt es, alleine zu leben, und läßt Hausarbeit gerne mal Hausarbeit sein, was ihr aber manchmal ein bißchen peinlich ist, wenn sie Besuch bekommt. Sie schläft gerne lang und kommt öfter mal ein bißchen zu spät zu Verabredungen.

Sie würde auch ohne weiteres Überlegen alle Parteimitglieder in die Flucht schlagen, die von ihr wollen, daß sie innerhalb der nächsten beiden Wochen noch heiratet, wäre da nicht ihre 16jährige Schwester Helen. Helen ist schwanger und will nicht sagen, wer der Vater des Babys ist. Phoebes und Helens Mutter ist eine verbitterte alte Hexe, und so ist von ihr keine Hilfe zu erwarten. Um Helen eine Reise in einen weit entfernten Ort und die Suche nach einer liebevollen Pflegefamilie für ihr Baby zu ermöglichen, braucht Phoebe Geld, und das bekommt sie nur, wenn sie eben doch heiratet.

Nick dagegen ist mit einer schweren Verletzung aus dem Krieg zurückgekommen und kann sich mit dem bürgerlichen Leben und seiner Behinderung (er hat ein lahmes Bein und dadurch schlimme Schmerzen) nur sehr schwer abfinden. Den Auftrag seiner Mutter, Phoebe mit einem Parteimitglied zu verheiraten, nimmt er nur sehr widerwillig an, nachdem seine Mutter ihm droht, seinen Unterhalt nicht mehr zu bezahlen. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist. Nick hat als Abkömmling einer Adelsfamilie einfach nichts gelernt, womit man Geld verdienen kann, und da er nun nicht mehr Offizier sein kann, weiß er noch nicht, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen soll.

Aber ich sage es gleich ganz direkt: wer ein Buch mit einem Alphahelden sucht, der die ganze Welt nach seiner Pfeife tanzen läßt, ist hier an der völlig falschen Adresse. Nick ist ein liebenswürdiger Mensch mit einem ganzen Schwung von Problemen, aber er redet zumindest darüber. Es gibt keine tiefen dunklen Geheimnisse, um die er ein Riesentheater macht, und die sich schließlich als völlige Nullnummer herausstellen. Er jammert auch nicht die ganze Zeit, sondern geht sehr auf seine Mitmenschen ein. Nick ist wunderbar un-arrogant und un-borniert.

Phoebe willigt ein, die beiden Heiratskandidaten der Partei von Nicks Familie kennenzulernen. Einer davon ist übrigens ein Konditor, der versucht, die perfekte Süßigkeit für Phoebe herzustellen. Leider mag diese gar keine Süßigkeiten (seltsam, aber wahr). Erfolgversprechend ist schließlich nur das eigens für sie erfundene - Schinkenspeckeis! Wahnsinn.

Während dieser Zeit lernen Phoebe und Nick sich immer besser kennen und verlieben sich ineinander. Durch die Bekanntschaft mit Phoebe kommt Nick besser mit seinem neuen Leben klar, obwohl beiden klar ist, daß ihre Zeit miteinander sehr begrenzt ist.

Natürlich gibt es ein Happy End, leider kurz vorher noch eine nahezu TSTL-Aktion von Phoebe, über die ich aber locker hinwegsehen kann, weil das Buch im ganzen so unfaßbar grandios ist. Sweet Disorder kommt ohne miesen, schleimigen Bösewicht aus, es gibt eben nette und weniger nette Charaktere. Und der Typ, der Helen geschwängert hat, ist einfach ein Schwächling und ein Idiot. Glücklicherweise gibt es für Helen (die ich sehr mag) auch ein Happy End, genauso wie für Mr. Moon, den Konditor, der das Speckeis erfunden hat.


Samstag, 19. Juli 2014

Das goldene Arschloch am Band

Ich will wirklich keine negative Stimmung verbreiten. Ich möchte auch nicht den Eindruck vermitteln, ich hätte bisher in diesem Jahr nur grauenhafte Bücher gelesen. Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe ein paar ganz wundervolle Bücher gelesen. Aber eben auch einige, deren Protagonisten (ich sage bewußt nicht "Helden") so dumm, widerwärtig oder einfach nur unsympathisch sind, daß ich ihnen hiermit feierlich einen Orden verleihe: Das Goldene Arschloch am Band.

Platz 3: Shane Griffin aus Turn Up the Heat von Kimberly Kincaid. Eigentlich ein ganz netter Typ. Er arbeitet als Kfz-Mechaniker in einer Kleinstadt im Norden der USA, die hauptsächlich von Wintersport-Touristen lebt. Seine Partnerin Bellamy Blake lernt er kennen, als sie für ein verlängertes Wochende in den Ort kommt und eine Autopanne hat. Außer, daß er alle möglichen abfälligen Bemerkungen über verwöhnte Frauen aus der Großstadt macht, ist er nicht so übel. Er ist allerdings fest davon überzeugt, daß seine und Bellamys Beziehung zwangsläufig enden muß, wenn sie nach Hause fährt. Nicht wegen der Entfernung; offenbar trennt Shanes Kleinstadt und Bellamys Heimatstadt Philadelphia nur eine Autofahrt von ca. 2 Stunden. Nein, der gute Shane besteht darauf, nienienienie wieder auch nur in die Nähe von Philadelphia zu kommen. Und zwar nur deswegen, weil sein Vater da lebt und er Zoff mit ihm hat. Und so einen Vollidioten soll ich als romantischen Helden bewundern??

Platz 2: Hier haben wir eine weibliche Preisträgerin. Sie heißt Jane Morgan und ist die Protagonistin aus Lead Me On von Victoria Dahl. Jane hat, das muß man ihr zugestehen, eine schlimme Kindheit gehabt. Sie wurde nämlich von ihrer Mutter Dynasty Alexis genannt (hihi, dreimal dürfen wir raten, welche 80er Jahre-Fernsehserie Janes Mama besonders mochte), und hat sich dann selbst später umbenannt. Jane möchte unbedingt respektabel sein, das bedeutet für sie: nur mit Leuten zu tun haben, die studiert haben, Anzüge oder Kostüme tragen und als Anwalt, Arzt oder Architekt arbeiten. Sie verleugnet grundsätzlich alles, was mit ihrer Familie oder ihrer Kindheit zu tun hat. William Chase, der Held des Buches, ist dagegen ein richtiger Goldschatz und hat einen supercoolen Job. Er ist nämlich ein Sprengstoffexperte - also er sprengt beispielsweise für Bauprojekte Felswände in die Luft. Jane will erst nichts mit ihm zu tun haben, weil sie denkt, daß er ein Arbeiter ist. Dann erfährt sie, daß er selbstständig ist und ein paar Angestellte hat. Nun will sie mit ihm nichts zu tun haben, weil er nicht studiert hat. Es stellt sich heraus, daß er das eben doch hat. Zuletzt will sie mit ihm nicht gesehen werden, weil er keine Anzüge, sondern Jeans und Flanellhemden trägt...tja, es hätte das Buch viel kürzer gemacht, aber ich hätte mir wirklich gewünscht, daß Jane von einem LKW überfahren oder von einem umherfliegenden Felsbrocken getroffen und unangespitzt in den Boden gerammt wird.

Platz 1: Reed Lawson, der männliche Protagonist (und wirklich definitiv kein Held) aus Baiting the Maid of Honor von Tessa Bailey. Reed ist eigentlich so etwas wie ein extrem übellauniger Vibrator auf zwei Beinen. Heldin ist verärgert? Komm, wir haben Sex. Heldin ist traurig? Komm, wir haben Sex. Heldin ist noch viel trauriger? Okay, dann wird sie beim Sex auch noch an den Haaren gezogen und geschlagen. Das Buch hätte ich natürlich nicht gekauft, wenn ich das vorher gewußt hätte. Ich finde sowas total widerlich. Aber gut, Julie Piper, die weibliche Protagonistin, fährt drauf ab. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Die Krönung des Buches kommt aber im Epilog, als die beiden schon ein Paar sind. Da wartet Reed, bis Julie auf der Arbeit ist, und bringt alle ihre Sachen aus ihrer Wohnung in seine Wohnung. Weil er findet, daß sie zusammenleben sollten. Es kommt aber noch besser. Nachdem Julie mitgekriegt hat, daß sie jetzt bei Reed wohnt, läßt er sie auch noch wissen, daß er sie heiraten wird. Ihren Vater hat er nämlich schon gefragt, und der war einverstanden. Echt, mir rollen sich die Zehennägel auf. Wenn dieser Typ ein lebendiger Mensch wäre, würde ich ihm wünschen, langsam und qualvoll an Syphilis zu sterben.

Endlich Sommer!!

Ich weiß, heute abend und morgen soll es schon wieder Gewitter geben...aber gestern und gerade jetzt gibt es endlich mal das perfekte Sommerwetter: heiß und sonnig, genau wie ich es mag. Da fehlt, wenn überhaupt, nur noch eins:


Sonntag, 6. Juli 2014

Komprimierter Irrsinn

Leseproben sind eine feine Sache. Normalerweise. Aber dann gibt es auch welche, bei denen sich meine Augenbrauen so sehr nach oben bewegen, daß sie an meinem Hinterkopf landen würden, wenn meine Haare nicht im Weg wären,

Und damit sind wir beim Thema Cherry Adair. Wenn man gerade Bock auf ein Buch mit völlig absurder Handlung und dämlichen Protagonisten hat, die in wirklich jeder Lebenslage nur an Sex denken, dann ist man bei Cherry Adair goldrichtig. Ich mag solche Bücher ja hin und wieder mal. Und so kam es, daß ich mir eine Leseprobe zu ihrem Buch Ice Cold heruntergeladen habe. Allerdings hätte ich mit Sicherheit einen riesengroßen Bogen um diese Leseprobe gemacht, wenn ich vorher gewußt hätte, daß ein Teil der Handlung in Deutschland spielt. Wenn amerikanische Autoren ihre Bücher in Deutschland spielen lassen, dann geht das meistens auf vielfältige Weise schief. Bei einer Autorin, die sowieso schon für den Irrsinn ihrer Bücher bekannt ist, kann man das Ergebnis je nach Laune als "krasser Scheiß" oder "OMG dieses Buch hat der Teufel in die Welt gebracht" bewerten.

Aber seht selbst. Die Leseprobe fängt damit an, daß unsere Heldin Honey Winston, die als Computerexpertin für eine dieser allgegenwärtigen streng geheimen Geheimorganisationen arbeitet, gegen den Helden Rafael Navarro kämpft. Rafael arbeitet ebenfalls für die streng geheime Geheimorgansation und wird auch als "der spanische Hengst" bezeichnet. Gnnnnnnnhihi. Peinlichster Spitzname ever, oder? Wenig später stellen die beiden fest, daß sie Kollegen sind, und daß Honeys Chef gerade ermordet wurde (mit 37 Messerstichen; Honey hat nachgezählt). Dann macht Rafael das Licht an, und Honey sieht, daß er lange, glatte, glänzende schwarze Haare hat. Das ist blöd, denn vor meinem geistigen Auge sieht er jetzt wie Jorge Gonzalez aus...


...was, neben dem bescheuerten Spitznamen, seinem Status als romantischer Held ein wenig abträglich ist.

Dann verlangt Honey, daß Rafael sie küßt, weil sie von ihrer Mentorin in der streng geheimen Geheimorganisation gehört hat, daß diese einmal einen Orgasmus hatte, als sie von Rafael geküßt wurde. (Ich glaube, diesen Typen müßte man mal gründlich mit Sagrotan einsprühen, bevor man ihm auch nur die Hand schüttelt). Rafael küßt Honey.

Wer jetzt glaubt, unsere beiden Helden würden mal so langsam aus dem Quark kommen und die Polizei rufen - wir erinnern uns, toter Chef mit 37 Messerstichen - ist, wie sollte es anders sein, völlig auf dem Holzweg. Stattdessen kommt die Müllabfuhr der streng geheimen Geheimorganisation und räumt alles auf. Echt jetzt. Im Originaltext steht "Garbage detail".

Nachdem das geklärt ist, nimmt Rafael Honey mit zum Flughafen, denn da ihr Chef ja nun leider wegen der 37 Messerstiche ausgefallen ist, muß Honey ihn auf eine Mission begleiten. Ursprünglich sollte diese Mission in Griechenland stattfinden. Offenbar will eine kolumbianische Terrorgruppe namens Luz Roja etwas Böses tun. Eine marxistische Terrororganisation namens Revolutionary Strength kommt ihr aber zuvor und sprengt dort eine Bank in die Luft. Da aber fast zeitgleich in Dresden ein ganzer Häuserblock einschließlich einer dort ansässigen Bank explodiert, begeben sich unsere beiden wackeren Helden lieber dorthin.

Warum eine Bank in Dresden eine streng geheime amerikanische Geheimorganisation zur Hilfe ruft, wenn dort eine Bombe explodiert...? Äh, keine Ahnung. Auf jeden Fall ist der spanische Hengst ein super-duper Bombenexperte, denn wenig später äußert er die folgenden weisen Worte:

"Bomben sind wie wütende Schneeflocken, keine zwei sind gleich".

Tja. Während sich Rafael also auf die Suche nach der Schneeflocke der Bombe macht, setzt sich Honey mit ihrem Laptop in ein Café in einer Nebenstraße von Unter den Linden. Laut Google Maps gibt es diese Straße in Dresden übrigens nicht. Vielleicht hat Frau Adair Dresden mit Berlin verwechselt? Kann ja mal vorkommen.

Rafael und Honey stellen fest, daß aus der Bank nichts gestohlen wurde. Rafael will, daß Honey nach Hause fliegt, aber sie will nicht. Beide bewundern noch kurz und verstohlen gegenseitig ihre Schönheit, und dann ist das Leid die Leseprobe auch schon zuende.

Puh. Ich weiß absurde und abgefahrene Bücher ja durchaus zu schätzen, aber das hier ist wirklich ein wenig zuviel des Guten.

(Das Bild von Jorge Gonzalez habe ich auf Wikimedia Commons gefunden).

Samstag, 7. Juni 2014

Deirdre Martin: Power Play

Eric Mitchell ist der neue Starspieler einer (vermutlich, ich hab's nicht gegoogelt) fiktiven Eishockey-Mannschaft namens New York Blades. Leider spielt er jedoch ziemlich schlecht und hat einen schweren Stand bei seinen Mannschaftskollegen.
Monica Geary hat eine Hauptrolle in einer Seifenoper namens The Wild and the Free. Sie hadert mit mehreren Problemen: mit ihrem Anspruch an sich selbst als Künstlerin, denn sie denkt ständig, daß sie eigentlich Theater spielen sollte, aber auch mit der Tatsache, daß die Serie einen neuen Produzenten hat, der ihre silikonbrüstige neue Kollegin bevorzugt.
Da liegt es nahe, daß Monica und Eric eine heiße Affäre vortäuschen, um positive Presse zu generieren. Was anfangs aus ein paar gemeinsamen Restaurantbesuchen und einer Spendengala besteht, wird zu echter Freundschaft und Liebe. Allerdings nur, bis Eric einen Riesenfehler begeht und Monica von einer Katastrophe nach der anderen heimgesucht wird...

Also eins muß ich sagen: ich hatte einen Riesenspaß mit dem Buch, obwohl weder Eric noch Monica besonders sympathisch sind. Sie sind nämlich beide ziemlich egoistisch und teilweise auch eingebildet.

Erics erste Szene mit seinen Mannschaftskollegen - und die ist schon auf Seite 5 - geht beispielsweise so:

"Yo, the savior of the Blades has arrived."
Brimming with self-confidence, Eric Mitchell scanned the locker room, waiting for his new teammates to respond to his announcement. Instead, he was greeted by scowls, glares, and the unmistakable look of resentment. What the hell was wrong with these guys?

Also, der Typ wollte seinen Kollegen offensichtlich nicht nur einen Spruch drücken, der hat das ernst gemeint! Kraß, oder? Nach der Szene mußte ich bei Eric ständig an Kevin Kline in seiner Rolle als Otto in Ein Fisch namens Wanda denken, wie er voller Begeisterung an seinem eigenen Schweiß schnuppert.

Jedenfalls hat Eric wenig später einen winzigen Gastauftritt in Monicas Seifenoper. Das fördert seine Beliebtheit bei den Blades ungemein, weil die alle große Fans der Serie sind. Natürlich erzählt er keinem, daß er sich bei den Aufnahmen total blamiert hat und sein Versuch, Monica anzumachen, auch nicht ganz so gelungen war. Was bei seinen Sprüchen aber auch kein Wunder ist:

"You and I have something in common," Eric murmured. 
"What's that?" Monica asked, trying desperately to see past him to the clock on the studio wall. Three more minutes. She only had to endure three more minutes of small talk with the jock who thought he could act. Anything was doable for three minutes.
"We're both sexy," he whispered through hooded eyes. "You were voted 'One of the Sexiest Women in Daytime', and I was voted one of People magazine's 'Top Fifty Bachelors'."

Der Typ spricht also mit seinen Augen (erstaunlich) und er labert ziemlichen Quark. Aber nicht, daß ihr jetzt denkt, daß man das ganze Buch mit einem eingebildeten Widerling und einer arroganten Tussi als Protagonisten verbringt. Monica und Eric haben beide auch ihre sympathischen Seiten. Diese treten zutage, als die beiden mehr Zeit miteinander verbringen.

Monica braucht einige Zeit und einen derben Schock, um einzusehen, daß ihre Rolle bei der Seifenoper eigentlich ein Traumjob ist. Hach. Meine Mutter und ich haben früher immer so gerne The Guiding Light geguckt (lief in Deutschland als "Die Springfield Story"). Und dann die mexikanischen Telenovelas. Die sind so herrlich überspannt und übertrieben dramatisch. Ich wünschte, davon würden einige bei uns im Fernsehen laufen, anstatt diesem gehirnzellentötenden Schwachsinn wie "Berlin bei Tag und Nacht". Na was soll's. Ich hab sowieso nicht soviel Zeit zum Fernsehen.

Erics sportliche Leistungen sind eher mittelmäßig, aber er ist fest davon überzeugt, daß ihm Monicas Anwesenheit bei seinen Spielen - oder wenigstens die eines Abbildes von ihr - Glück bringt. Da der Ärmste aber öfters das Bedürfnis hat,sich vor seinen Kollegen aufzuplustern, dauert es nur bis etwa zur Hälfte des Buches, bis Monica mit ihm Schluß macht, weil sie gehört hat, wie er etwas absolut unverzeihliches sagt.

Der Rest des Buches beschäftigt sich damit, wie die beiden ihre jeweiligen Probleme bekämpfen und nach einigem Hin und Her wieder zueinander finden. Das ist spannend und unterhaltsam, und es gibt eine Menge gut beschriebener, netter und weniger netter Nebenfiguren. Als spaßigen Zeitvertreib kann ich Power Play wirklich empfehlen, aber wer liebenswerte Hauptfiguren sucht, die er ins Herz schließen kann, der sollte sich lieber ein anderes Buch suchen.

Freitag, 30. Mai 2014

Der Trend geht zur Gesichtsmatratze

Im Happy End Bücherblog habe ich einen Artikel zum Thema männliche Gesichtsbehaarung gefunden, dem ich weitestgehend zustimme.

Also, meiner Meinung nach gibt es nur zwei Arten von Menschen, bei denen solch ein Übermaß an Bärtigkeit angemessen ist: nämlich der Weihnachtsmann...



...und natürlich Bandmitglieder von ZZ Top...

(haben die flauschige Gitarren? Die haben flauschige Gitarren! Voll süüüüüß!)


Da fällt mir eine Anekdote aus meiner Kindheit in den 70er Jahren ein. Mein Onkel Werner (Name aus Datenschutzgründen geändert) trug einen Schnurr- und Vollbart. Das fand ich als kleines Kind sehr faszinierend, denn alle anderen Männer, die ich kannte - mein Vater, meine beiden Großväter, mein Urgroßvater und mein anderer Onkel - waren stets ordentlich glattrasiert. Eines Tages brachten meine Eltern aus dem Urlaub ein kleines Dekofigürchen mit, das einen Neanderthaler darstellte. Das Figürchen war aus Holz und hatte Haare und einen Bart aus schwarzem Fell. Als ich es zum erstenmal sah, so sagte man mir später, lachte ich vergnügt und rief "Onkel Werner!!" Der Original-Onkel Werner fand das gar nicht lustig...

Wie auch immer, im Happy End Blogpost drückt die Autorin auch ihre Hoffnung aus, daß die 70er Jahre-Tapeten nicht auch wieder modern werden. Und da muß ich leider widersprechen, denn ich fahre voll auf diese grellen Muster ab. Mein Kinderzimmer hatte beispielsweise so ein ähnliches Muster...




...allerdings mehr so in orange und gelb. Und in der Diele hatten wir so etwas:




Ok, davon wird einem leicht schwindelig, aber nur, wenn man es aus größerer Entfernung betrachtet. Und man sollte sie wohl besser nicht angucken, wenn man einen im Schlappen hat.

Aber wie auch immer: ich würde mir so eine hübsche orange-gelb-braune 70er Jahre Tapete sofort an die Wand kleben. Wenn ich tapezieren könnte und nicht viel zu faul dafür wäre!